Gastbeitrag von Kathrin Wettstein

Gerne möchte ich über meine Intensivweiterbildung berichten. Ich bin Hauswirtschafts- (WAH-), Handarbeits- und Englischlehrerin an der Oberstufe in Buchs und darf mich bis Mitte November in einem Bereich meiner Wahl weiterbilden. Lebensmittel und ihre Herkunft haben mich schon immer interessiert und deswegen habe ich auch einen grossen Nutzgarten mit Kräutern, Früchten und Gemüse.

Dann entschied ich mich dafür, den Abläufen in der Nahrungsmittelherstellung auf den Grund zu gehen. Aus der Zeitung erfuhr ich von «Feldtisch» – vo Feld zu Tisch – genau mein Thema!

Voller Interesse schrieb ich eine Mail an Dolores mit meinem Anliegen. Sie sagte sofort zu und wir besprachen, wie es ablaufen sollte. Meine Vorgesetzten in Buchs haben mein Gesuch bewilligt und so konnte ich anfangs August bei den Familien Gamper und Dürr anfangen. Ich wurde von allen freundlich willkommen geheissen.

Die Landwirtschaft ist für mich vollkommenes Neuland und so lernte ich jeden Morgen bei Dolores, Luisa, Peter, Marcel und ihren Eltern sehr viele neue Arbeitsabläufe, Techniken und Handgriffe kennen. Somit sehe ich, wie unsere Nahrungsmittel produziert werden. Im Grossen und Ganzen wusste ich vorher schon in der Theorie, wie es in etwa geht, doch wenn ich jetzt mittendrin bin und mithelfe, sieht die Sache ganz anders aus. Es braucht sehr viele Arbeitsgänge, um Milch, Käse oder Fleisch herzustellen oder Gemüse und Früchte zu kultivieren, ernten und zu verarbeiten.

Einmal durfte ich um 5 Uhr morgens mit Dolores in den Stall zum Melken. Das war extrem spannend und Dolores hat mir alles sehr gut erklärt, denn ich hatte keine Ahnung von allen Abläufen. Einer Kuh so nahe zu sein, geschweige denn sie zu melken, war ebenfalls was ganz Neues für mich. Nach ein paar Anläufen und mit Hilfe von Dolores, habe ich es dann auch geschafft, mit den Händen die Milch aus dem Euter zu pressen, um zu sehen, ob die Milch in Ordnung ist und danach die Melkmaschine anzuhängen. Upps! Aufpassen, dass kein Stroh angesaugt wird! 😉 Zum Glück kann Dolores gut erklären und ist geduldig!

Profi beim Kühe melken

Ein anderes Mal habe ich beim Reinigen des Rinderstalles mit dem Hochdruckreiniger geholfen oder bei einer steilen Fläche das Heu gewendet.

Heuen im steilsten Hang

Auf die Alp Tesel habe ich Luisa und die Kinder zum Käse holen begleitet und wir haben ihn dann anschliessend in den Keller der Koratschwendi gebracht. Dort habe ich ihr auch schon mehrmals beim Käse schmieren geholfen mit einer Geheimrezeptur!

Beim Zäunen in der Koratschwendi war ich auch einmal dabei und ein anderes Mal hat Peter mir gezeigt, wie man den Honig aus dem Bienenstock nimmt und schleudert.

Marcel hat mich mitgenommen, als er ein Kalb zum Metzger brachte. 2 Tage später durfte ich in der Metzgerei dabei sein beim Zerlegen. Nach dem Reifen haben Luisa, Peter und ich die verkaufsfertigen Fleischstücke abgepackt.

Luisa hat mir die Welt der Cremen, Salben und Seifen nähergebracht. Sie stellt Heilsalben und Honigseifen für den Laden her. Diese Arbeit muss sehr genau gemacht werden und braucht auch ein paar Chemiekenntnisse. Aber im Grossen und Ganzen ist es eine sehr meditative Arbeit. Dabei konnten wir auch so herrlich Schwatzen und Lachen.

Kathrin beim Seifen rühren

Im Storchennest liegt das Äckerli, wo Dolores und Luisa Hülsenfrüchte, wie Kichererbsen und Soja, im Versuch anbauen. Ebenfalls haben sie im Frühling Kartoffeln gesteckt, die wir gemeinsam rausgeholt haben. Leider hat es dieses Jahr viel zu viel geregnet und alles ist sehr nass und das Unkraut und die Schnecken hatten es sehr leicht.

Nun im Herbst ist Apfellesen angesagt, wo alle mithelfen! Der grösste Teil geht in die Mosterei, Lageräpfel gibt es dieses Jahr nicht, wegen den Hagelschäden und die Ernte fällt dadurch auch eher klein aus. Aus den Wildmausern werden gedörrte Apfelschnitzli gemacht und die Sorte Spartan eigenet sich hervorragend für Apfelmus.

Im Laden durfte ich Nüsse knacken und Baumnussöl pressen, Apfelschnitze dörren, Apfelmus kochen und einmachen, Mostbröckli schneiden und vakuumieren, Birnen dörren fürs Birnbrot, Gläser etikettieren, Zwiebelzöpfe flechten und vieles mehr…